Auf die Plätze – fertig – spul!
Rekorderrennen – Walkmans zweites Leben
Im Zeitalter der MP3-Player hat der gute alte Walkman längst ausgedient und wandert auf den Schrott. Halt! Nein, nicht so schnell. Findige Tüftler basteln aus den ausrangierten Abspielgeräten kleine Renner. Und am Start zählt dann nur eines: Spulen was das Zeug hält. Ob Walkman oder Ghettoblaster – alles, was eine Taste für den schnellen Vor- oder Rücklauf hat, kommt am ersten Juniwochenende beim Rennen um den Titel „Weltrekorder 2006“ in der Dortmunder Phönix-Halle zum Einsatz.

Der Motor, der normalerweise das Kassettenband transportiert, dient als Antrieb für die Räder. In zwei Klassen („Walkmen“ sowie „Boom-Boxen und klassische batteriebetriebene Tapedecks“) wird um die schnellste Zeit aber auch um das beste Aussehen gekämpft. Denn die optische Note kann letztlich über den Sieg entscheiden. Eine Jury vergibt nach subjektivem Geschmack so genannte Grandezza-Punkte für die schönsten Modelle, die eleganteste Performance und das Auftreten des Rennstalls.
20 Meter ist die Strecke lang. Die Regeln für das Rekorderrennen sind einfach: Das technische Prinzip des Gerätes muss erhalten bleiben: keine zusätzlichen Antriebe, außer den vorhandenen Motoren. Keine zusätzlichen Energiespeicher. Pro Fahrzeug darf nur ein Rekorder eingesetzt werden. Das Originalgehäuse des Gerätes sollte zumindest in großen Teilen erhalten bleiben und das Fahrzeug muss mehr als einmal fahrbereit sein. Lebende Tiere sind als Piloten nicht erlaubt, Fernsteuerung ist nicht gestattet.

In 6,18 Sekunden legt der schnellste Walkman die 20 Meter lange Rennstrecke zurück. Doch andere Renner finden bei der Jury mehr Applaus, etwa die rollende Weltkugel, ein fahrender Tanzschuh oder ein rasendes Schaf. Die Grandezza-Wertungen werden nach einem komplizierten Schlüssel mit der Zeit zu einer Gesamtnote verrechnet.
Nach zwölf Renndurchläufen steht schließlich fest: „KISD FF1“ aus dem Rennstall „KISD FAST FORWARD“ wird mit sehr schnellen 6,40 Sekunden und 38 Grandezzapunkten zum „Weltrekorder 2006“ gekürt. Auf dem zweiten Platz landet „Renner S“ aus dem einzigen Frauen-Rennstall „Studio R“. Die Grandezza-Wertung gewinnt das Propeller-Mobil. Doch es gibt auch Verlierer, zum Beispiel den „Big Punisher“, der einen halben Meter nach der Startlinie mit einem Achsenbruch ausscheidet.

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