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Balance auf einem Rad

Elektrisches Einrad: Sensoren verhindern das Umkippen

Einräder sieht man im Zirkus. Kaum vorstellbar, dass sie auch im Straßenverkehr ein sicheres Fortbewegungsmittel sein könnten. Viel zu wackelig. Doch das könnte eine Erfindung aus Bielefeld schnell ändern: Das elektrische Einrad balanciert sich selbst aus.

Rund um die Bielefelder Fachhochschule taucht immer mal wieder ein außergewöhnliches Fahrzeug zur Testfahrt auf: Ein Sattel wie bei einem Fahrrad, ein breiter Reifen wie von einem zu klein gerateten Formel-1-Renner, ein bisschen Metallgestänge und Fußrasten auf beiden Seiten – sonst nichts.



Und oben drauf sitzt dann meist ein grinsender Mitarbeiter der Fachhochschule und amüsiert sich an den verwunderten Blicken der Passanten. Das Gefährt rollt völlig ruhig dahin. Sein Geheimnis: „Ein hoch entwickelter Elektromotor und eine ausgefeilte Sensorik“, verrät der Erfinder, Professor Klaus Hofer. Sobald das Einrad eingeschaltet wird, balanciert es sich automatisch aus – Umkippen unmöglich.

So genannte Neigungswinkel-Sensoren registrieren ständig, in welcher Position sich das Rad gerade befindet. Kippt der Fahrer nach vorne, wird automatisch etwas mehr Schub gegeben. Kippt es nach hinten, gibt das Gerät Gegenschub. So bleibt der Schwerpunkt des Fahrers immer über der Achse und das ermöglicht eine stabile Fahrt. Rund 100 Mal in der Sekunde wird die Lage gecheckt, der Motor gleicht also schneller aus, als es der Fahrer überhaupt wahrnimmt. Und auch ohne menschlichen Fahrgast bleibt das Einrad stehen, nur ein leichtes Zittern zeugt von seinem Hightech-Innenleben.



Lenken lässt sich das bis zu 10 km/h schnelle Einrad einfach durch Gewichtsverlagerung. Erfinder Klaus Hofer sieht die Möglichkeit des späteren Einsatzes seines Prototypen vor allem erst einmal in großen Gebäuden, wo Verbrennungsmotoren fehl am Platz wären: Flughäfen und Messen könnten es Passagieren und Gästen zur Verfügung stellen.

Aber auch als Freizeit-Gefährt könnte sich Hofer das Einrad vorstellen: „Es muss etwas Neues kommen, nach den Kickboards und den Rollerskates“, sagt er. Allerdings wäre das elektrische Einrad wohl eher ein High-End-Spielzeug. Mit seinem hochwertigen Antrieb ist es nichts für jeden Geldbeutel. Einen Preis von rund 1.000 Euro halten die Entwickler momentan für realistisch.

Aber bis es so weit ist, wird es noch etwas dauern. Vor allem fehlt den Erfindern noch ein Industriepartner. Und die Frage, wo sich elektrische Einräder im Straßenverkehr bewegen dürfen – Straße, Rad- oder Fußweg –, wäre auch noch zu klären.

 

   
 
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