Bremsen bis die Sohlen qualmen
Trendsport Bobby-Car-Rennen
Eigentlich ist es ein Kinderfahrzeug. Doch mittlerweile hat sich aus einer verrückten Idee eine Trendsportart entwickelt. Erwachsene rasen mit einem "Bobby-Car" abgesperrte Straßen hinunter und erreichen dabei bis zu 90 Stundenkilometer – so auch bei den Bayerischen Meisterschaften im unterfränkischen Westerngrund.
Der lokale Verein Formula 1 Westerngrund hatte zu der Veranstaltung eingeladen und rund 70 Fahrer aus dem ganzen Bundesgebiet kamen. Mit einem handelsüblichen Bobby-Car war dabei jedoch kein Blumentopf zu gewinnen: Schrauben, Drehen, Feilen und Basteln gehört zum Handwerk der Bobby-Car-Profis. Die kleinen Flitzer werden getunt so gut es nur geht. Dabei ist fast alles erlaubt. Nur der Kunststoffkörper des Bobbys muss erhalten bleiben: Kickboardreifen, Radlager mit geringerem Rollwiderstand, verlängerte Lenkung und digitaler Tacho fürs Training sind Standard – zumindest bei den Profis. Denn mittlerweile gibt es bereits zwei Klassen von Bobby-Car-Fahrern: die Profis, bei denen es sogar Preisgelder gibt, und die Amateure. Neben dem optimalen Gefährt spielt auch die Masse, die ein Fahrer mitbringt, eine wichtige Rolle. Aber auch fahrerisches Können ist gefragt.

Bobby-Cars werden ohne jeglichen Antrieb gefahren. Auch Muskelkraft ist verboten. Jede Menge Muskeln werden aber gebraucht, um sich möglichst flach auf den Miniboliden zu legen. Wie lustig es aussieht, wenn sich Erwachsene mit über zwei Metern Körpergröße flach auf ein Bobby-Car ducken, kann sich jeder vorstellen.
An der Startrampe hält eine Klappe jeweils zwei Renner zurück. Wenn sie wegklappt, rollen die Fahrzeuge los. Wer als erster die Gefällstrecke absolviert und ins Ziel kommt, gewinnt und ist eine Runde weiter – bis zum Finale. Im Ziel fahren die Profis, aber auch die Amateure, Geschwindigkeiten von weit über 70 km/h. Dann heißt es „bremsen bis die Sohlen qualmen“, denn die Bobbys werden nur mit den Schuhen gestoppt.
Überall wo Bobby-Car-Rennen ausgetragen werden, zieht die Veranstaltung scharenweise neugierige Zuschauer an. Und mancher, der so zum ersten Mal etwas von diesem verrückten Sport mitbekommen hat, setzt sich später selbst auf das Gefährt von Sohn oder Tochter – und los geht’s.
Sicherheit geht auch beim Bobby-Car-Rennen vor. Im Rennreglement steht klar: Beim Training sowie beim eigentlichen Rennen muss der Fahrer einen Visierhelm und Schutzkleidung (Jacke, lange Hose, Lederhandschuhe, Protektoren) tragen. Alkoholisierte Fahrerinnen und Fahrer werden durch den Veranstalter und durch die Rennkommission vom Rennen ausgeschlossen.

Besonders aufpassen müssen natürlich alle Bobby-Car-Fahrer in der privaten Trainingzeit. Denn während für ein Rennspektakel öffentliche Straßen gesperrt und mit Strohballen abgesichert werden, müssen sich die Piloten geeignete, gut überschaubare Teststrecken oft erst suchen, zum Beispiel abschüssige Feldwege.
Die Europameisterschaft wurde im Übrigen gerade am 4. und 5. September in Weidenstetten ausgetragen. Die Deutsche Meisterschaft findet am 18./19. September in Osnabrück statt. Mehr zum Thema Bobby-Car-Rennen gibt es unter www.bobbycarclub.de www.formula1-westerngrund.de
Fotos: Bobby-Car-Club Deutschland e.V.
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