Die Nacht wird hell
Elektronische Systeme helfen sehen
Nachts ereignen sich mehr als 40 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle, obwohl in dieser Zeit nur etwa ein Viertel des täglichen Verkehrs stattfindet. Meist sind die schlechten Sichtverhältnisse eine der Unfallursachen. Neue elektronische Systeme können Fahrern helfen, nachts Gefahrensituationen besser einschätzen zu können.

Bislang gibt es entsprechende Hilfen nur in Oberklassefahrzeugen gegen Aufpreis. Die Programme, die dabei zum Einsatz kommen, bauen auf völlig unterschiedlichen Techniken auf. Beim System „Night Vision“ von BMW beispielsweise nimmt eine Wärmebildkamera in der Frontschürze Schwarzweißbilder auf. Diese erscheinen auf einem Display in der Mittelkonsole des Wagens. Es besticht durch eine große Sichtweite von bis zu 300 Metern. Der Unterschied zwischen Umgebung und Hindernis ist deutlich zu erkennen. Ein Nachteil: Das System erkennt ausschließlich lebende Hindernisse. Diese heben sich als helle Flecken vom dunklen Hintergrund ab.
Beim Nachtsichtassistenten von Mercedes liefert die Kamera, die dicht hinter dem Innenspiegel angebracht ist, ebenfalls ein Schwarzweißbild. Sie kann Licht im normalen Sichtbereich, aber auch im Infrarotbereich erfassen. In die Scheinwerfer integrierte Infrarotlampen beleuchten die Umgebung in einem Bereich von 150 Metern. Der Monitor befindet sich an Stelle des Tachos im Armaturenbrett. Anders als die Wärmebildkamera des BMW macht die Infrarotkamera auch leblose Hindernisse besser sichtbar.

Dass beide Systeme noch nicht optimal sind, zeigen Reaktionen von Testfahrern, die sich von den zahlreichen Bildinformationen überfordert fühlen. Die Tester kritisierten zum Beispiel auch die ungünstige Position des Displays. Es gibt bereits Forschungen, die Bildinformationen in die Windschutzscheibe zu spiegeln. Dann könnte sich der Fahrer weiter auf die Straße konzentrieren und würde in seinem normalen Sichtfeld zusätzliche Informationen durch die Nachtsichtsysteme erhalten. Ob mit einer solchen Sehhilfe oder ohne sollte für Nachtfahrten auf alle Fälle gelten: Vorausschauender als bei Tag, bremsbereit und hoch konzentriert fahren, so dass man im Notfall innerhalb der Leuchtweite anhalten könnte. Schließlich sind nachts und in der Dämmerung viele Wildtiere aktiv und man kann – egal mit welcher Hilfe – nachts nie so gut sehen wie tagsüber.
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