Zu Wasser und durch die Luft
Motorbootfahrer Nick Bisterfeld (18): Gefühl ist gefragt
Auf den ersten Blick ist Nick Bisterfeld ein ganz normaler 18-Jähriger: Er absolviert eine Lehre als Kanalbauer, geht mit seiner Freundin gerne aus, hat seit ein paar Monaten den Führerschein und das erste eigene Auto. Aber einen Großteil seiner Freizeit verbringt er mit einem nicht gerade alltäglichen Hobby. Er fährt Motorbootrennen – und das sehr erfolgreich. Er ist Deutscher Meister 2006 in der Klasse S 550.
Das Talent und die Begeisterung für den Motorbootsport scheint Nick Bisterfeld in die Wiege gelegt zu sein: Opa Rainer Bisterfeld war selbst mit dem Rennboot Welt- und Europameister. Er und Nicks Vater begleiten den Azubi immer zu den Rennen. Beinahe hätte es auch in einer zweiten Bootsklasse, der Formel ADAC, noch zum Titel gereicht. Die letzten fünf Rennen konnte „Quick Nick“ gewinnen, aber der Vorsprung seines ärgsten Konkurrenten war bereits zu groß. Dafür sicherte er sich auch noch den Volvo Penta/Tohatsu Jugendpokal 2006.

Seit drei Jahren fährt Nick Bisterfeld Motorbootrennen. Mindestens 16 Jahre alt muss man sein, um eine Rennlizenz erwerben zu können. Im nächsten Jahr wird er erstmals in der Formal 2 um die WM mitfahren. Sein jetziges Boot, ein rot-weiß-oranger Katamaran, hat 40 PS und fährt bis zu 110 km/h schnell. In der Formel 2 liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 200, in der Formel 1 sogar bei 250 km/h.
„Die meisten denken, dass das ziemlich gefährlich ist. Ich finde es nicht gefährlicher als Autorennen, aber interessanter“, sagt Nick Bisterfeld. Er mag die Geschwindigkeit, von Boje zu Boje zu jetten – „mit so wenig Wasserkontakt wie möglich“. Dass es durchaus eine riskante Sportart ist, weiß er aus zwei Trainingsstürzen. „Wenn man flippt, wenn unter das Boot Luft passt, dann ist alles zu spät“, weiß der Rennbootpilot. Dann überschlägt sich der Katamaran. In einem Rennen werden dann sofort rote Flaggen gezeigt: Rennabbruch. Mehrere Rettungsboote fahren dann sofort zur Unfallstelle. Aber das kommt sehr selten vor. „Wenn man zu viel will und zu viel trimmt, dann kann das passieren“, erklärt Nick.

„Trimmen“ bedeutet, dass der Fahrer den Motor weiter vom Boot wegschiebt. Damit kommt die Schnauze des Bootes weiter aus dem Wasser und das Boot kann mehr über das Wasser gleiten. Nur kurz vor einer Boje, vor einem Wendemanöver trimmt der Pilot den Motor wieder heran, um beim Wenden mehr Führung zu haben. „Man braucht halt viel Gefühl“, sagt Nick. Bei dem einen Trainingssturz hatte er zu sehr getrimmt. Bei dem anderen Unfall kam plötzlich eine heftige Böe und hat das Boot erfasst.
„Dann kann man nur hoffen, dass man gut aufkommt“, schmunzelt der junge Mann aus Hückeswagen. „Wasser kann ziemlich hart sein.“ Im Rennboot trägt er einen Helm, einen schnittfesten Kevlaranzug und eine Schwimmweste. Bei seinen Stürzen hatte er Prellungen und Nackenschmerzen davongetragen.

Im Straßenverkehr ist dem 18-Jährigen bislang noch kein Unfall passiert, obwohl er sehr viel mit dem Auto unterwegs ist: zur Arbeit, mit seiner Freundin, zu den Rennen. Abgesehen davon, dass auch da Gefühl und Besonnenheit gefragt sind, um sicher unterwegs zu sein, sei das auch etwas komplett anderes als Motorbootrennen zu fahren.
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